Ich muss erzählen, wie wir zu der Bibliothek gekommen sind. In der längerfristigen Planung war das zwar vorgesehen, aber eben erst deutlich weiter unten auf unserer Wunschliste. Am zweiten Weihnachtsfeiertag fragte unser Nachbar, der Priester, ob Toussaint ihm beim Ausräumen eines Containers behilflich sein könnte.  Ich hab mich noch geärgert, schließlich war doch Weihnachten! Aber Toussaint machte sich an die Arbeit, schleppte Krücken, Rollstühle und anderes Krankenhausmaterial aus dem Bauch des Containers. Dann kamen die Kisten, unzählige Kisten. Als der Priester begutachtete, was da so alles zum Vorschein kam sagte er zu Toussaint, er solle sich von den Bücherkisten nehmen was ihm nützlich schien. Er hatte nämlich an eben diesem Morgen einen kleinen Spaziergang gemacht und dabei unser Klassenzimmer besichtigt. Und so kam es, dass an diesem Tag doch noch Weihnachten wurde und 3 oder 4 Karrenladungen Bücherkisten bei mir auf der Terrasse ankamen. Größtenteils handelte es sich um wirklich schöne französische Kinderbücher. Ein paar waren schmutzig und zerrissen, doch viele waren fast wie neu. Einige Spiele und Spielsachen waren auch dabei. Nun hatte ich aber eigentlich überhaupt keine Zeit, die Kisten durchzusehen. Doch auch dafür hatte Gott bereits einen Plan. Zwei französische Freiwillige waren gerade angekommen und konnten mit ihrer eigentlichen Arbeit noch nicht beginnen. Und sie erklärten sich bereit, die ganzen Kisten durchzusehen, zu kleben, zu säubern und zu sortieren. Zwei deutsche Freiwillige halfen dann, indem sie alle Bücher stempelten und in die Regale stellten, und so kamen wir völlig ohne unser Zutun zu unserer kleinen Bibliothek!

Nachdem alles an Ort und Stelle war hatten wir am vergangenen Sonntag eine kleine Einweihungsfeier mit Segensgebet in Anwesenheit von Eltern und offiziellen Vertretern unserer Nachbarschaft. Und ab jetzt steht der Raum den Kindern und Jugendlichen zum Lernen und Lesen zur Verfügung. Ein weiterer französischer Freiwilliger, der im benachbarten Kinderheim lebt und arbeitet, hat bereits Lerngruppen organisiert, die er dort unterrichtet und betreut. 

In der Zwischenzeit wurde auch das Lagergebäude fertiggestellt, das Dach wurde gedeckt, die Außenmauern verputzt und Fenster und Türen eingesetzt. Zwei geschlossene Räume dienen als Lagerraum und Schuppen, zwei offene Gebäude als Küche und Werkstatt. Und eine Wand haben wir weiß gestrichen als Großleinwand. Jetzt kann die WM kommen!

Ein ganz herzliches Dankeschön an all die großen und kleinen Spender, die dies möglich gemacht haben und ein besonderer Dank an unseren Gott, der uns immer wieder zeigt, dass wir mit unseren Plänen auf dem richtigen Weg sind.